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Nott, Adam
Adam Nott - Interview von Adam Turner
Adam Nott Interviewed by Adam Turner
Adam Turnerin tekemä Adam Nottin haastattelu

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Nott, Adam
Adam NottAdam Nott, born in 1929, lives in the U.K. and has had a long career in teaching Alexander Technique teachers together with his wife Rosemary,
Adam is the son of Rosemary and Stanley Nott and was born into the work like his brother Jim (who died recently) working with the Movements and groups.
Adam met Mr. Gurdjieff in his last years in Paris.
 

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Adam Nott - Interview von Adam Turner

F: Ich bin nicht mein Vater und ich bin mir sicher, du bist nicht deiner, aber ich habe vor unserer Zusammenkunft noch einmal einige von C.S. Nott’s Bücher gelesen, um für den Beginn unseres Gespräches eine gemeinsame Basis zu haben. In einem dieser Bücher steht, dass ein Moment des Selbst-Erinnerns ein Moment von Bewusstheit ist, nicht im gewöhnlichen Sinne, aber ein Bewusstsein des wirklichen Selbst, welches das „Ich“ ist. Wie würdest du jemanden, der neu in den Ideen der „inneren Arbeit“ ist, den Unterschied zwischen diesem „Ich“ und wie sich Leute normalerweise in ihrem gewöhnlichen, alltäglichen Leben selber sehen erklärt?

A: Ich schätze, dass ist eine Sache, die man tun muss. Das Erste, was mir dazu einfällt ist, dass man den Unterschied nur versteht, wenn er passiert. Es ist eine völlig andere Erfahrung von sich selber. Und ich würde sagen, wenn jemand in Bezügen denkt, sagen wir, dass die drei Zentren gewöhnlich keine Beziehung zu einander haben; aber wenn sie zusammen kommen, dann hast du eine völlig andere Erfahrung von dir selbst, bist mehr und mehr zusammen oder mehr vereinigt. Es ist selbstverständlich nicht etwas, was innerhalb unserer Kontrolle geschieht oder besser gesagt, es ist ein Moment, der nicht kontrollierbar ist. Man bekommt Hinweise für bestimmte Anstrengungen, welche zunächst anscheinend keinerlei Effekte in Bezug auf die Erfahrung des Selbst-Erinnerns haben, aber ich bin mir sicher, dass sie eine kumulative Wirkung haben. Man versucht es so gut wie möglich zu machen und dafür braucht man Anleitung.

Aber egal, wie viel Anleitung man hat, wenn man es versucht, jedes mal wird es wahrscheinlich ganz unterschiedlich sein und nicht unbedingt passend, aber manchmal ist es passend. Man muss es versuchen, ohne auf ein Ergebnis zu schauen, ohne ein Ergebnis zu erwarten. Und als Ergebnis dieser Versuche treten diese Momente auf. So, schätze ich, gehst du voran. Einer der Effekte solcher Anstrengungen ist ein kurzer Eindruck wie man eher mechanisch funktioniert. Denn wenn man eher auf einem mechanischen Niveau ist, fühlt es sich nicht mechanisch an, es fühlt sich „normal“ an. Aber wenn du anfängst einen Geschmack von etwas anderem zu bekommen, dann kommst du an einen Punkt, von dem du dies sehen kannst, tatsächlich ist, was passiert, völlig unbewusst. Zum Beispiel, wenn du mit jemandem anderen zusammen bist und erkennst, dass du nicht zuhörst. dann kannst du sehen, dass da die Möglichkeit des Zuhörens wäre und dass du nicht zuhörst. In einem mehr erleuchteten Zustand kann dies als eine flüchtige Erfahrung der Wahrheit gesehen werden, aber etwas in mir ist unfähig dies zu ertragen und überwältigt durch Selbstkritik verliere ich die Erfahrung,.

F: Diese Ideen ermutigen uns in unserem Körper präsent zu sein – zu spüren – aber es erinnert uns auch daran, dass wir NICHT unsere Körper sind. Warum ist das so paradox? Warum akzeptieren wir nicht einfach wie wir sind, ein Haufen Fleisch, der von vielen komplexen Systemen zusammen gehalten wird, und fertig damit?

A: Nun, warum nicht? Aber tatsächlich ist es kein Widerspruch, weil dieses Mutmachen oder diese Hinweise, dass es notwendig ist seinen Körper zu spüren, eine zweispurige Angelegenheit ist. Wer spürt den Körper? Ich vergesse dies andauernd und muss mich daran erinnern, dass die Anstrengungen den Körper zu spüren, tatsächlich den Kopf und den Körper zusammen bringen. Nur wenn Kopf und Körper zusammen sind, kann der Körper gespürt werden. Die Leute reden die ganze Zeit von der Notwendigkeit, im Körper zu sein und das ist richtig, aber was sie meinen ist, dass ich diese Verbindung zwischen den beiden Bereichen benötige. Ich brauche die Erfahrung, dass ich in meinem Körper bin. Mann vergisst, von wo der Impuls kommt. Er kommt vom Kopf. Es ist der Kopf, der sich mit dem Körper verbindet, der die Erfahrung des Spürens ermöglicht. Beim Versuch die Zentren zu verbinden, tendieren wir dazu mit dem Kopf und dem Körper zu beginnen, weil das leichter möglich ist. Wenn ich versuche eine Verbindung zwischen Kopf und den Emotionen zu machen, wird mein Kopf durch die Stärke der Emotionen weg getragen und eine Verbindung ist nicht möglich.

Also brauchst du diese Allianz zwischen Kopf und Körper, um in der Lage zu sein, dich dem Pfad (Emotionen) zu stellen, ohne von ihnen weg getragen zu werden. Und dann, vielleicht, können die Drei zusammen kommen.

In den frühen Jahren war der Weg wie die Arbeit gelehrt wurde, etwas kopflastig. Die Leute beschwerten sich, dass da kein Platz für Gefühle sei. Aber tatsächlich erscheint es mir nun, dass genau dieses das Ziel ist. Man kann nur erfahren, dass Gefühle im Gegensatz zu Emotionen stehen, wenn alle drei Bereiche vereinigt sind.

F: Im gleichen Buch heißt es „Selbst-Erinnern fängt mit Selbst-Spüren an“. Es muss durch das Instinktive-Bewegungs-Zentrum und das Emotionale Zentrum gemacht werden.“ Das kann ich nachvollziehen. Meistens fängt das, was ich „Selbst-Erinnern“ nenne, mit meiner Wahrnehmung von körperlichen Spannungen einer Haltung an, als Beispiel. Wenn man das so macht, was meinst du, ist dann die Rolle von unserem intellektuellem Anteil?

A: Sind das Zitate von meinem Vater? Den Einflüssen, denen er ausgesetzt war, abgesehen von seinem direkten Kontakt mit Herrn Gurdjieff, waren das, was wir heute als sehr formatorisch bezeichnen würden. Und die Ideen, ich habe einige Notizen von der Gruppe, die sie mit Orage in New York hatten, gesehen, meistens haben sie über die Ideen gesprochen. Ich schätze, du hast die dritte Serie gelesen, wo Mr. Gurdjieff nach New York fährt und jedem sagt, dass er die Orage-Gruppe zu verlassen hat und Orage aufgeben soll. Und am Ende macht Orage das Gleiche. Ich denke, was das Ganze provoziert hat, war die Erkenntnis, dass alles was dort passierte, auf dem Niveau über Ideen zu reden stattfand. Nun tendiert man dazu, Leute aufzufordern von Erfahrungen zu sprechen, Erfahrungen von ihnen selber, anstatt nur von einer Idee. Ich würde sagen, dass die Ideen jetzt einen anderen Stellenwert haben, aber das heißt nicht, dass sie nicht wahr sind.

Es war immer der Fall, wenn du jemanden getroffen hast, der an der Arbeit interessiert war und an einer Gruppe teilnehmen wollte, dass sie „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ gelesen hatten. Aber du kannst feststellen, dass die Leute es nicht in der Art lesen, wie sie es gewohnt sind. Ich war sehr überrascht, als ich letztes Wochenende in Irland war, dass es immer noch das Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ war, was sie wirklich dazu gebracht hat nach etwas anderem zu suchen. Das würde mir auch so gehen. Ich hatte Eltern, die mit Mr. Gurdjieff waren. Ich traf Mr. Gurdjieff, aber ich wusste nicht, was er lehrt. Das habe ich nur herausgefunden, als „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ herauskam. Und meine Eltern, das kann ich mit Glück sagen, haben mich nicht indoktriniert.

Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, was man unter dem intellektuellen Zentrum versteht. Man sollte den formatorischen Apparat nicht mit dem intellektuellen Zentrum durcheinander bringen. Man könnte sagen, dass der formatorische Apparat der lauteste Teil des intellektuellen Zentrums ist. Aber wenn wir zu dieser Idee von der Verbindung des Kopfes zum Körper zurückkommen, wenn man versucht sich zu spüren, da ist ein stiller Teil des intellektuellen Zentrums, der weiter weg ist, und das ist der Teil, der diese Verbindung erzeugen kann. So gib es da kein Problem, er wird einbezogen, wenn du dich selbst spürst.

F: Ich habe neulich Gras gemäht und habe versucht, meine Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge zu behalten. Ich habe festgestellt, dass meine Aufmerksamkeit eine Minute da war, dann wieder weg, und das ich keine Kontrolle hatte, wann und wie sie verschwindet. Tatsächlich sind mir die Gründe für das Verschwinden manchmal ein Mysterium. Welche Bedeutung hat es, auf diese Weise zu kämpfen, die Aufmerksamkeit zu behalten?

A: Ich denke, es kommt darauf an wie man kämpft. Es scheint mir, dass das, was du versucht hast, während du den Rasen gemäht hast, eine sensible Idee ist, möglicherweise ein wenig komplex, verschiedene Teile des Körpers zu spüren. Wahrscheinlich würde ich vorschlagen, oder würde in dieser Situation selber versuchen, zu schauen, ob ich während des Rasenmähens mit meinen Füßen in Kontakt bleiben kann. Und wahrscheinlich würde ich herausfinden, dass ich das nicht kann. Da ist immer die Möglichkeit, indem man etwas ausprobiert, man seine Fähigkeiten übt und diese Fähigkeit muss trainiert werden, und vielleicht ist es wie ein Muskel. Du kannst bestimmte Sachen mit bestimmten Muskeln nicht machen, wenn sie noch nicht benutzt wurden. Du musst sie benutzen, und wenn du anfängst sie zu benutzen, erscheint es erst einmal so, dass es keinen Unterschied macht. Man ist nicht sensitiv genug, um festzustellen, dass man ein wenig mehr Stärke als am Vortag dabei hat, weil ich daran gearbeitet habe. Das ist der Grund es zu versuchen, aber ich habe es immer in meinem Hinterkopf, dass ich nicht genau weiß was ich tue. Wenn ich also sage, dass ich es versuche wie ich es gestern versucht habe, kann dies wahr sein oder auch nicht. Ich bin es gewohnt über Zinsen nachzudenken. Ich denke auf die gleiche Art über Zinsen als sie 6% betrugen. Ich dachte: was interessiert mich das? Aber wenn du £ 10.000 hast, können 6% Zinsen eine Menge Bedeutung haben, besonders wenn du es irgendwo anlegst, dann hast du beim nächsten Mal Nachschauen die £ 10.000 und etwas mehr.

F: Wie siehst du die Bedeutung von Empfindungen (sensations) in der Arbeit mit Bewegung und Aufmerksamkeit?

A: Nun, Empfindung ist das gleiche Ergebnis der Bemühungen, von denen ich bereits gesprochen habe, Verbindung des Kopfes mit dem Körper. Und besonders, wenn man mit dem Movements arbeitet oder einigen Movements, kann es einen Moment geben, wo wir sie aufgrund der verschiedenen Anforderungen der Bewegungen wahrnehmen. Du kannst einfach nicht alles mit dem Kopf regeln. Da ist etwas für den Kopf und dann kommt etwas anderes hinzu. Der Kopf kann nicht nachvollziehen, was zuerst kam und genauso wenig, was dann hinzukommt. Und so fängst du an zu realisieren, dass in diesem ganzen Prozess etwas anderes lenken oder beteiligt werden muss, außerhalb von dem, was ich versuche, was wahrscheinlich mein ordinärer Verstand ist.

Manchmal passen die Sachen an einem guten Tag, und aufgrund der Anforderungen der Movements ist man verpflichtet, einen anderen Wege zu finden, wie man mit diesen Movements umgeht. Dann passiert oft ein Empfinden intensiver als gewöhnlich, aber es ist immer noch das Ergebnis des Versuchs, die Dinge in einem zusammen zu bringen, bei denen selbstverständlich die Movements hilfreich sind. Ich möchte sagen, dass ich diese Erfahrung am stärksten durch die Movements gemacht habe. Nicht nur die Anforderungen der Movements auch durch die Musik. So bringen mich dies Einflüsse gemeinsam zu einem anderen Platz in mir.

Ich möchte hinzufügen, egal welche Tiefen jemand in sich gefunden hat, sie müssen stets erneut gesucht werden. Die Idee des inneren Wachstums könnte interpretiert werden als die Fähigkeit zu Suchen. Die Fähigkeit zu Suchen ist da, und indem ich es mache, bekomme ich Erfahrungen über mich selbst. Um diese zu intensivieren ist es notwendig, dass ich stets weiterhin suche. Eine der Nachteile einer sehr starken Erfahrung wie eine intensive Empfindung ist, dass du daran festhältst und zurück schaust. Ich hatte das gestern, ich versuche es heute wieder, aber es ist nicht wie gestern. Das hilft natürlich nicht, weil du diese Erfahrung nicht bekommen kannst, indem du zurück schaust.

F: Diese Ideen haben etwas Gemeinsames mit den Ideen, die in den Westen gekommen sind, die man unter dem gemeinsamen Nenner „Selbstverbesserung“ sehen könnte und das ist „Veränderung“. Ich denke, wenn wir uns ehrlich betrachten, sind wir unzufrieden, und das verursacht viel Leiden. Wir sehen, dass wir nicht so sind wie wir dachten oder wie wir sein sollten. Was ist der Wert in der inneren Arbeit, zu versuchen uns zu ändern oder zu wünschen uns zu verändern?

A: Nun Adam, Selbstverbesserung ist ein Begriff, der nicht groß genug ist, um die Lehre von Herrn Gurdjieff mit einzuschließen. Der Begriff Selbstentdeckung ist in seiner Bedeutung da näher. Ich würde sagen, dass der Wunsch sich zu ändern uns vielleicht zur Arbeit hinführt. Was wir aber tatsächlich brauchen ist, dass du dich so siehst wie du tatsächlich bist, und dieser Wunsch nach Veränderung ist hierbei häufig ein Hindernis, weil er auf einem gewöhnlichen Niveau existiert. Ich sehe etwas in mir und reagiere, ich möchte es verändern, aber in welche Richtung? Ich benötige das ganze Bild. Also ist die Veränderung, die benötigt wird, die Fähigkeit wahr zu nehmen ohne zu reagieren. Und von dort könnte es möglich sein auf eine intelligentere Art sich in die Richtung zu bewegen, die nötig ist. Tatsächlich ist eines der Dinge, die wir in unserem Selbststudium begegnen, die Erfahrung, dass man in sich ein fürchterliches Durcheinander antrifft.

Man möchte gerne von diesem Durcheinander befreit sein, und das geht nur wenn alles zusammen passt, wenn du anfängst zu erkennen, dass dieses Durcheinander mein Material ist. Und wenn ich das sehe und reagiere, dann entzieht es mir Energie, aber wenn ich es akzeptieren kann, kann es transformiert werden. Das ist eine andere Art zu sagen, dass die Sachen, die ich als „mein Durcheinander“ bezeichne, nicht geändert werden müssen. Was sich ändern muss ist meine Haltung dazu, und das kann nur durch eine stärkere Verbindung geschehen.

Aber in Betrachtung der Lehren von Herrn Gurdjieff geht es nicht nur um mich in der Welt, es geht um mich im Verhältnis zum Universum und um die verschiedenen Teile des Universums im Verhältnis untereinander. Dies erklärt, warum Selbst-Verbesserung nicht das passende Motto ist.

Dies kann ein Anfang sein. In welche Richtung arbeitest du? Man braucht eine Richtung für seine Arbeit, ganz wie im normalen Leben auch. Was ist Dein Ziel? Die Reise findet zwischen dem Anfang wie man ist und dem Erreichen präsent zu sein statt. Ich habe diese Idee von gegenwärtig sein, und ohne das macht es keinen Sinn anzufangen. Meine Art dies zu erklären ist, dass ich diese Objektivität benötige, obwohl sie tatsächlich Einbildung ist. Es ist eine Metapher. Dieses Bild hilft dir anzufangen, aber es ist wichtig darauf nach und nach zu verzichten, weil es eingebildet ist. Wenn ich an diesem Bild verhaftet bin, riskiere ich es, die Realität, die ich suche, zu verpassen, weil sie nicht zu dem Bild passt, welches mich auf den Weg gebracht hat. Ich vergleiche das gerne mit den Einweg-Benzintanks, die die Kampfflugzeuge im 2. Weltkrieg hatten. Um ihre Flugweite zu erweitern, benutzten sie diese freien Benzintanks wenn sie starteten, und entkoppelten sie sowie sie leer waren.

Q: Das Enneagram-Symbol ist etwas worüber viel gesprochen wird, manche Aspekte davon sind in einen gewöhnlichen Gebrauch gekommen. Ich habe die sogenannte „esoterische“ Version davon studiert, mit bestimmten Qualitäten in Verbindung mit den Punkten 1-4-2-8-5-7. Zum Beispiel die Opposition, Widerspruch und Balance von Punkt 1 (Mond), die sich richtig in Richtung Passivität, Offenheit und das Potenzial von Punkt 4 (Venus) bewegt und so weiter. Kennst du dich damit aus oder siehst du einen Wert darin?

A: Ich muss sagen, dass du den Vorteil hast, dich damit besser auszukennen als ich. Ich bin sicher, dass du weißt, dass es da eine Riesenmenge Literatur über das Enneagramm gibt, das von ein paar Nonnen entwickelt wurde, was nichts damit zu tun hat wie wir es verstehen. Aber ich habe mich niemals damit in Bezug auf mich selbst befasst. Meine einzige Erfahrung vom Enneagramm habe ich durch die Movements gemacht, und selbst da kann ich nicht sagen, dass es mich weiter gebracht hat ... nun, ich kann die Verbindung zwischen ihm und anderen Dingen, die ich verfolgt habe, nicht sehen, aber das kann ein Unvermögen meinerseits sein.

Mein Verständnis ist, dass Gurdjieff seine Lehren zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Art präsentiert hat. Wenn du das Material vergleichst, wie es von Ouspensky so gut aufgezeichnet wurde als er in Moskau mit Gurdjieff war und mit Beelzebub, kann man sich gar nicht vorstellen, dass dies aus der gleichen Quelle stammt. Sie haben ihre Bedeutung, und unterschiedliche Menschen wurden durch verschiedene Sachen angesprochen.

Ich habe einen meiner Lehrer gefragt, der jede Woche aus Paris kam, „Warum gibt es all diese Sachen über Hydrogene und anderes in „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“, während du uns lehrst zu versuchen den Körper zu spüren?“ „Nun“, sagte er, „das hängt alles zusammen.“

Es richtete sich an eine bestimmte Art von Menschen, wie Alexander seine Lehren präsentierte. Er spürte, dass er seine Entdeckungen als etwas Wissenschaftliches vorstellen musste, das war zu seiner Zeit wichtig. Heutzutage ist vieles von dem, was er geschrieben hat mehr von historischer Bedeutung als von praktischem Nutzen. Eines seiner Bücher hieß „Der Gebrauch des Selbst“, in dem er den Weg zu Entdeckungen beschrieb, und weil er aus seiner Erfahrungswelt schrieb, ist das, was er zu sagen hat, immer von Bedeutung. Vieles, was er sonst geschrieben hat, ist Spekulation und daher sehr veraltet.

Q: Es gibt heilige Tänze oder Movements, die mit diesen Ideen in Verbindung stehen, von denen ich denke, dass das du mit ihnen verbunden bist, und ich glaube, du stehst auch in Verbindung mit der Alexander-Technik. Ich habe mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass die Alexander-Technik nicht nur in Verbindung zu Schmerzen, post-traumatische Belastungsstörungen, Panikattacken und Stottern gebracht werden muss. Die Movements arbeiten auch mit mehr als nur unserer körperlichen Maschine. Siehst du Parallelen zwischen den Movements von Gurdjieff und der Alexander-Technik und wenn ja welche?

A: Ich denke, man muss sagen, dass du Gurdjieff’s Lehren nicht innerhalb der Alexander-Technik unterbringen kannst, aber du kannst die Alexander-Technik innerhalb Gurdjieff’s Lehren einordnen. Das eine bewegt sich in einer wesentlich anderen Größenordnung als das Andere. Was bewundernswert an Alexander ist, dass er es alleine aufgebaut hat, und ich denke was die Menschen, die Gurdjieff’s Arbeit studieren, von Alexander lernen können, ist ein praktischer Weg von dem, was Gurdjieff als „Leben im Schlaf“ beschrieb. Aber die Alexander-Technik gibt einen mehr zentrierten Blick darauf, wie du deinen Körper im Alltag und speziell in Beziehung zwischen Kopf, Nacken und Rücken zu seinem Nachteil benutzt. Aber es kann helfen deutlicher wahrzunehmen, dass du nicht weißt, was du mit dem Körper machst, obwohl es eine Menge Lehrer gibt, die ständig vergessen, dass sie nicht wissen was sie mit ihrem Körper machen. Es ist schwierig das wahrzunehmen, es gibt nur bestimmte Momente, in denen man ausreichend in sich gesammelt ist, um das wahrzunehmen. Deshalb würde ich zwischen der Alexander-Technik und den Movements keinen Zusammenhang sehen, mit der Ausnahme zu sagen, dass man manchmal eine Erfahrung durch die Movements haben kann. Eine Erfahrung an die ich mich erinnere, ist die Bewegung in einer ungewöhnlichen Art und mit weniger Anstrengung und fließender. Eine solche Erfahrung könnte man auch nach einer Alexander-Sitzung haben. So denke ich, was die Alexander-Technik erreichen kann, könnte mehr sein als generell angenommen wird. Aber das muss nicht so sein. Wahrscheinlich, Alexander sagt irgendwo, dass sie etwas Höheres berühren kann, aber ich bin sicher, dass er das so nicht formulieren würde, weil er seine Arbeit als etwas sehr Praktisches präsentieren wollte.

F: Bei dieser Gelegenheit, ich habe gesehen, dass der westliche Mensch als über-intellektuell beschrieben wird. Man könnte sagen, er denkt zu viel, aber fühlt und spürt nicht genug. Auf der anderen Seite fordern uns die Ideen auf „immer mehr und mehr über die Gesetze der Weltschöpfung und er Welterhaltung“ zu wissen. Manchmal denke ich, dass ich mehr weiß als ich anwenden kann und glaube in anderen eine egoistische Anhäufung von Wissen zu sehen. Was meinst du ist der richtige Wert von Wissen?

A: Nun, ich schätze mal du wirfst die Fragen nach dem Unterschied zwischen Wissen und Verstehen auf. Und ich vermute, dass du fragen könntest, wenn du von Wissen sprichst, was das ist? Ich denke, dass Wissen hilfreich ist, und dass es in bestimmten Momenten das ganze Wesen erhellen kann, wenn etwas in einem ist, das es auf die richtige Art empfangen kann. Lass uns zum Beispiel den Schöpfungsstrahl nehmen. Nehmen wir mal an, ich wäre vertraut damit, dann kann ich ihn auf einem Stück Papier aufzeichnen. Bei Gelegenheit kann ich vielleicht in ihm mich selbst erfahren, und die Möglichkeit dieser Erkenntnis ist vielleicht durch mein Wissen über das Diagramm möglich geworden.

Und immer wieder, eine bestimmte Zeile oder ein bestimmter Satz bekommt eine ganz neue Bedeutung je nachdem, wo ich mich auf dem Weg gerade befinde. So kann ich nun sagen, dass ich ohne diese Verse nicht die gleiche Erkenntnis gemacht hätte. Meine Ehefrau hat auf der Schule große Abschnitte der Bibel gelernt, und sie ist stets dankbar dafür, dass sie das dort bekommen hat. Das muss nicht notwendigerweise etwas bedeuten, aber manchmal eben schon. Und ich schätze, dass ist der Vorrat an Wissen. Du bekommst Wissen, dass dich nähren kann.

F: Manchmal sehe ich in diesen Ideen die Möglichkeit „harmonisch“ zu leben, „ausgewogen“ zu sein und „Lebensfreude“ zu erfahren und auch richtige Stille und Frieden in der Meditation zu finden. Dieser erhabene Zustand, obwohl er ansprechend ist, erscheint im Widerspruch mit dem Streben, seinen Zweck in dieser Welt zu erfüllen, der zu einem gewissen Grad Unzufriedenheit bedeutet. So könnte man sagen, dass dies unvereinbar miteinander ist. Wie siehst du das?

A: Wenn du die Ideen nimmst, um deine eigene Situation zu akzeptieren, was natürlich nicht heißt, dass du dich hinlegst und alles passieren lässt und aufgibst. Die Fähigkeit zu akzeptieren, was wiederum tatsächlich bedeutet nicht zu reagieren, ist normalerweise nicht möglich, und so kannst du es als eine Frage der Gnade, den eigenen Reaktionen ausgesetzt zu sein, sehen. Wenn ich das Leben akzeptieren kann, wie es ist, wie ich bin, dann bin ich ausreichend integriert, und meine unterschiedlichen Teile kommen ausreichend zusammen, dann bin ich nicht länger auf dem Niveau der Reaktion. Ich denke das Reaktionsschema tendiert dazu, dass ein bestimmtes Zentrum reagiert, so funktioniere ich im wesentlichen von einem Zentrum aus, die Reaktionen komme aus diesem Zentrum. Wenn die Zentren mehr zusammen kommen, dann ergibt sich die Möglichkeit nicht zu reagieren und sogar, dass ich mich akzeptiere so wie ich bin.

Du siehst, das Ziel, das Verständnis von seinem Ziel, wird unterschiedlich sein, je nachdem wie man ist. Und du könntest in manchen Momenten sehen, dass das Streben von dem du dachtest es wäre notwendig, nicht das Streben ist, welches notwendig ist, trotz dessen es dich zu dem Punkt gebracht hat dieses zu erkennen. Es scheint eine Notwendigkeit zu Streben zu geben, aber vielleicht, na die Leute sprechen oft über muskuläre innere Anstrengungen, und mit der Praxis findest du raus, dass die Anstrengung nicht so muskulär ist wie du begonnen hast. Aber das findet man nur heraus, indem man es macht. Wie alles andere auch, du fängst an, Movements zu machen, und nach einer Weile stellst du fest, dass du unnötige Spannungen aufbaust, aber das findet man eben nur heraus, wenn man es macht. So sehe ich hier keinen Widerspruch, obwohl es so erscheint, weil man auf einem Niveau eine bestimmte Sichtweise hat und dann auf einem anderen Niveau eben eine andere. Ich muss sagen, die Sache mit dem da sein und ruhigem Sitzen, still mit sich zu sein und zu versuchen besser im Kontakt mit sich zu sein, wird nicht leichter. (lacht) So gibt es immer eine Notwendigkeit für eine bestimmte Art von Anstrengung. Wenn man nicht dran bleibt (lacht), wird es noch schwieriger, und wenn man dran bleibt, wird es nicht leichter. (lacht)

F: Welchen Herausforderungen steht die „Work“-Organisation als Ganzes gegenüber, da die internationale Gemeinschaft eine stärkere integrierte Globalisierung erfährt, und die äußeren Aspekte der Lehre ein größeres Publikum über das Internet und andere Medien erreicht?

A: Ich denke, man könnte sagen, dass genau dies die Herausforderung ist, die vor uns liegt. Ich denke, dass die Essenz der Lehre ... irgendwo ist sie als etwas beschrieben, dass sie nur von einer Person zu einer anderen transferiert werden kann, weiterhin abhängig vom menschlichem Prozess ist. So, obwohl das Wissen über diese Lehre oder darüber zu wissen sich breit gemacht hat, ist da immer noch die Frage, was von einer Person zur anderen weiter gegeben werden kann, ich sage nicht, was es ist. Durch die Leute, mit denen ich gearbeitet habe, wurde mir ein bestimmter Weg des Seins gezeigt, welchen ich nicht erfahren hätte ohne diese Begegnungen. Dinge können sich ohne das entwickeln und haben sich ohne das entwickelt und sind zu entwickeln ohne das, aber für die, die ein anderes Level von Sein erfahren haben ist, die Anforderung dran zu bleiben, um zu versuchen, diese Erfahrung in sich selbst zu finden und möglicherweise dies an andere weiter zu übermitteln. Ich gehe davon aus, dass das du mit dieser Idee vertraut bist. Ich habe vergessen, wo sie herkommt, aber das ist aus einem der Bücher, dass du nur Fortschritte in der Entwicklung deines Wesens machen kannst, indem du jemandem geholfen hast, der auf fortgeschrittener Entwicklungsstufe ist. Und der einzige Weg auf deiner Entwicklungsstufe höher zu klettern ist, dass du jemand anderem geholfen hast, der auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe ist. Ich denke das ist eine wundervolle Formulierung. Und ich denke, dass die Lehre sich so in bestimmten Gegenden verbreitet hat, so etwa. Aber natürlich, irgendwann kommt es in Bereiche, irgendwann ist es gedruckt, aber siehst du, die gedruckte Seite enthält keinerlei Sein. (lacht)

Es ist beeindruckend, wenn Worte von einem Menschen, einer lebenden Person gesprochen werden. Dann hast du nicht nur die Form der Wörter, die Bedeutung, sondern auch die Intonation und trotzdem, manche Leute können auf eine Art und Weise schreiben, die dich berührt als wen sie ein lebendiges Wesen zu dir sprechen würde. Das ist großartige Schreibkunst.

F: Zum Schluss, impliziert in diesen Ideen ist der Gedanke, dass wir auf diese Welt zu einem sehr bestimmten Zweck kommen, und dass es in dieser Arbeit darum geht sich zu bemühen diese Bestimmung zu erinnern und sie zu erfüllen. Ich habe den Charakter Beelzebub in Gurdjieff’s Buch als den „idealen“, normalen Menschen beschrieben gesehen, dessen Funktion auf diesem Planeten aufhört. Angenommen ein Mensch erreicht diese Erfüllung, was wäre deine Vermutung, was ihn erwartet?

A: (lacht) Erreichen, tut mir leid, welche Erfüllung? Was würde „erfolgreich zu sein“ bedeuten? Es ist wie mit dem Bergsteigen. Du kletterst einen Berg hoch und der Berg, an den ich denke ist einer den du erklettern kannst. Du siehst etwas weiter oben etwas, nach dem du strebst, dass wie die Spitze aussieht. Aber wenn du da angekommen bist, siehst du dass es überhaupt nicht die Spitze ist, es ist auf dem Weg und dann ist dort ein weiterer Platz den du anstrebst. So denke ich, dass man nicht an einen Punkt gelangt, wo man sagt „Jetzt hab ich’s geschafft“. Zu denken, dass so etwas möglich sei, ist völlige Illusion, aber vielleicht kann sogar diese Illusion nützlich sein, einen vorwärts zu bringen.

Ich habe kein Bedürfnis zu „vermuten“. Ich war am Dienstag auf der Beerdigung von einem Freund, und es gab mehrere Beiträge von verschiedenen Quellen, die im Wesentlichen ausdrückten, dass das Leben weiter geht, nur eben in einer anderen Form. Die Form, in diesem Körper auf dieser Welt zu sein, ist beendet, und das Leben ist irgendwo anders hingegangen und ich finde diese Idee ziemlich akzeptabel. Die Sache, die wir Geist nennen, nimmt eine andere Form an. Ich weiß nicht, was für eine Form und ich gehöre nicht zu den Leuten, die darüber grübeln was das sein könnte (lacht). Es könnte einfach nur Energie sein. Es gibt aufwendige Systeme, nach denen wir, wie es uns gesagt wird, wieder in einer anderen Form zurückkommen. Das hat mich niemals interessiert. Mein Gefühl ist, falls so eine Wiederkehr passiert, werde ich es mitbekommen, wenn es passiert, (lacht) oder wahrscheinlich eher nicht.

Copyright Adam Nott 2009

Übersetzung Mani Gerlach



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